· 

Mythen der Wirtschaft - Nr. 1: Gewinnmaximierung zu verfolgen führt zu maximalem Gewinn

Es ist einer der vielen Mythen der Wirtschaft, dass CSR mehr kostet als es "bringt" und Unternehmen dann erfolgreich sind, wenn sie an oberster Stelle Gewinnmaximierung im Blick haben. Dabei ist es wie im Privatleben: Wer z.B. unbedingt einschlafen oder einen Partner / eine Partnerin finden will, der erhöht damit nicht unbedingt die Chance, dieses Ziel auch zu erreichen. In der Wirtschaft ist es ähnlich. Wer sein ganzes Denken und Handeln auf maximalen Gewinn ausrichtet läuft Gefahr, anderen wichtigen Aspekten nicht genug Aufmerksamkeit zu widmen.  Zum Beispiel den Erwartungen der Stakeholder an das Unternehmen. Ein Unternehmen kann ohne seine Stakeholder nicht überleben, deshalb ist es wichtig, die Erwartungen der Stakeholder zu kennen und bestmöglich zu erfüllen.

 

Ein anderer Beispiel: Sich an Gesetze zu halten sollte eigentlich selbstverständlich sein. Und doch gibt es aus jüngster Zeit einige prominente Beispiele wo Unternehmen versucht haben, durch Gesetzesüberschreitungen ihren Gewinn zu erhöhen. Die Absicht den Gewinn zu erhöhen führte hier zum genauen Gegenteil und war am Ende teuer für die Unternehmen. Dies zum einen direkt monetär durch Prozesse, Entschädigungsleistungen etc., zum anderen indirekt durch einen erheblichen Reputationsschaden. Aber Gewinnmaximierungsabsicht kann einen noch auf andere falsche (und am Ende teuere) Fährten locken: Etwa zugunsten geringerer Produktionskosten die Produkt- bzw. Servicequalität zu vernachlässigen oder an der Arbeitssicherheit und dem Schutz vor Umweltschäden zu sparen. 

 

CSR ist das Gegenkonzept dazu. CSR bedeutet, mit attraktiven Produkten und/oder Dienstleistungen erfolgreich am Markt zu agieren, unter Berücksichtigung der gesellschaftlichen Anforderungen. Dazu gehört Gesetze einzuhalten und auch über die rechtlichen Rahmenbedingungen hinaus verantwortlich zu agieren, was etwa den Schutz der Umwelt oder die Arbeitsbedingungen (auch in der Wertschöpfungskette) angeht.

 

Um ein konkretes Beispiel zu geben: Gestern erhielt ich ein Mail "meiner" Bank. Darin kündigt das Unternehmen an, dass es am 20.9.2019 für einen Tag jede Geschäftstätigkeit einstellen werde, um sich am Klimastreik zu beteiligen. Für einen ganzen Tag! Streik! Was das kostet! So etwas ist doch verantwortungslos!

 

Nein im Gegenteil, es ist sehr verantwortlich. Das Unternehmen begreift sich damit als Teil der Gesellschaft, der Klimastreik ist da nur eines von vielen Beispielen (und ein eher extremes), wie das Unternehmen seiner gesellschaftlichen Verantwortung gerecht wird. Und, was ja nach gängiger Auffassung garnicht sein dürfte, es ist auch wirtschaftlich sehr erfolgreich damit. Die Bank wächst stetig, sogar wärend der Finanzkrise war das der Fall.

 

Der große Erfolg kommt daher, dass das Unternehmen glaubwürdig ist. Wer sogar einen ganzen Tag die Geschäftstätigkeit einstellt, der meint es ernst. Aber ist das nicht alles nur eine Marketingmasche, könnte man einwenden. Natürlich, wahrscheinlich bringt diese Aktion z.B. über die Publicity und die Reputationswirkung mehr ein als sie kostet. Und? Schlimm? Entscheidend ist, dass man glaubwürdig (!) nicht den Profit in den Vordergrund stellt. Dann kann es nämlich gut sein, dass der (fast) von ganz alleine kommt.