Was man im Biergarten über das Berufsleben erfahren kann

Heute war Sommerwetter in München. Am Nachbartisch im Biergarten: Eine Gruppe von Leuten, die offensichtlich viel Spaß hatten. Es wurde lautstark gesprochen, gelacht, diskutiert, Witze gemacht. Wirklich, das ist völlig ok, solche ausgelassenen Momente sind wichtig. Interessant wurde es, als einer aus der Gruppe zum Besten gab, was ihm neulich in einem Café passiert sei. Da wäre nämlich am Nachbartisch eine Gruppe von Leuten gewesen, die hätten so laut gesprochen, das sei kaum auszuhalten gewesen. Tja.

 

Die Geschichte klingt fast zu unglaublich um wahr zu sein, aber genau so hat es sich zugetragen. Es scheint sich um den bekannten Unterschied zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung zu handeln. Davon können wir uns bei näherer Überlegung alle nicht ganz frei machen. Beispiel: Wenn wir in einem Stau stehen ist unsere Wahrnehmung doch: Da ist ein Stau, und ich steh da drin. Dabei gehört zur objektiven Wahrheit auch, dass wir in diesem Moment nicht nur in einem Stau stehen, sondern Stau sind. Irgendwie sind wir manchmal in unserer eigenen Welt, und die Welt um uns herum und was wir mit unserem Handeln darin bewirken, scheinen wir nicht wirklich wahrzunehmen. Sicher ist es Ihnen auch schon passiert dass im Supermarkt jemand direkt vor Ihnen mit seinem Einkaufswagen mitten im Gang stehen geblieben ist. Den Kopf voll mit den eigenen Gedanken, in dem Fall wohl vor allem der Einkaufsliste, wird die Umwelt weitgehend ausgeblendet.

 

Sie bleiben nicht einfach stehen mit dem Einkaufswagen? Nun, aber wir alle kennen es, dass wir an einem Tag so viele "To do´s" haben, dass wir alles andere tatsächlich weitgehend ausblenden. Dem Kollegen geht es nicht gut? Gar nicht gemerkt. Der Geburtstag der Tante? Mist, vergessen, so viele Termine. Ich denke, wir sollten versuchen, in jeder Situation wirklich präsent zu sein und bewusst wahrnehmen, was um uns herum passiert. Das verringert zum einen den Unterschied zwischen der Eigen- und der Fremdwahrnehmung, zum anderen nehmen wir auf diese Art und Weise vieles wahr, was uns sonst entginge.

 

Das ist auch im Berufsleben wichtig. Wenn wir den Augenblick, das Umfeld in dem wir gerade sind bewusst wahrnehmen, sind wir empathischer. Auf diese Weise verstehen wir z.B. besser die Bedürfnisse unserer Kunden. Verhandlungen werden erfolgreicher, wenn wir uns auch in die Situation der Gegenseite hineindenken können. Projekte leiten wir besser, wenn wir die Teammitglieder nicht nur als rationale Arbeitskräfte sehen, sondern als das was sie sind, nämlich Menschen. Und damit nicht immer rational, nicht immer gleich motiviert, und möglicherweise mit Zielen, die von den Projektzielen abweichen oder darüber hinausgehen. Kurzum, wir profitieren sowohl in unserem Privat- als auch in unserem Berufsleben davon, wenn wir in jedem Moment präsent sind und bewusst wahrnehmen, wie wir uns verhalten innerhalb des Umfeldes, in dem wir uns gerade befinden.