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Die New Work Charta

New Work ist derzeit ein populäres Buzzword. Eine Annäherung an New Work ist nicht so einfach, denn es stellen sich grundlegende Fragen wie: Was ist eigentlich Arbeit? Wenn ein Maler für einen Kunden ein Zimmer anstreicht, würde man das sicher als Arbeit bezeichnen. Und wenn Sie das Gleiche in Ihrem eigenen Zuhause tun? Arbeit oder nicht? Braucht Arbeit z.B. Bezahlung, um Arbeit zu sein?

 

Wenn wir nun von der "Neuen Arbeit" sprechen, wird es nicht leichter. Hier begegnen uns viele Konzepte, die unter dem Begriff "New Work" subsummiert werden, wie z.B. Homeoffice, 4-Tage-Woche, agile Arbeitsmethoden, Coworking-Spaces, flexible Arbeitszeiten (manche halten allerdings auch schon einen Tischkicker, einen Obstkorb oder eine Chefin in Sneaker für New York...). Häufig hört man Zuschreibungen wie mehr Flexibilität, mehr Selbstbestimmung, mehr Verantwortung, transparentere Kommunikation.

 

In der Praxis führt New Work nicht immer zu den erwünschten Erfolgen, die Enttäuschung ist dann groß. Was man nicht übersehen darf: Menschen sind soziale Wesen. Glück und Sinn entsteht auch durch die direkte Interaktion mit anderen, durch deren Anerkennung und Wertschätzung. Entscheidend ist zudem, dass Veränderung nicht nur außen stattfindet, etwa durch räumliche oder organisatorische Veränderungen. Denn wie so vieles, ist New Work zuvordererst eine Haltung. Ein bisschen auf der trendigen New Work - Welle schwimmen zu wollen ohne dass sich in den Köpfen etwas verändert, wird nicht zu positiven Ergebnissen führen.

 

Dazu kommt: New Work begann eigentlich als Sozialutopie, entwickelt vom Sozialphilosophen Prof. Frithjof Bergman. Bergmann führt globale negative gesellschaftliche Zustände wie die Kluft zwischen riesigen Vermögen und bitterer Armut sowie die Zerstörung unserer natürlichen Lebensgrundlagen auf die Degradierung von und den Mangel an Arbeit zurück, verursacht durch Automatisierung, Globalisierung und Urbanisierung. Dem setzt er ein neues Verständnis von Arbeit gegenüber, welches die klassische Erwerbsarbeit ergänzt bzw. reduziert zugunsten gemeinwohlorientierter Arbeit sowie tief gewünschter, frei gewählter Arbeit. Ziel ist dabei ein Wandel hin zu einer Kultur, welche menschlicher und weniger verschwenderisch ist.

 

Um für das Thema New Work eine Orientierung gerade auch für Unternehmen zu geben, hat Markus Väth, im deutschsprachigen Raum einer der bekanntesten Vordenker und Vertreter zum Thema New Work, mit zwei weiteren Kollegen eine New Work Charta entwickelt. Sie formuliert fünf Prinzipien für echte New Work-Unternehmen: Freiheit, Selbstverantwortung, Sinn, Entwicklung und soziale Verantwortung. Unter sozialer Verantwortung werden in der Charta die Begriffe nachhaltiges Wirtschaften, regionales Engagement und ehrbarer Kaufmann genannt. Was mich gefreut hat zu sehen, denn so ist die Verbindung zwischen New Work und CSR sehr klar. Die Charta kann online unterzeichnet werden, nähere Informationen finden sich unter https://humanfy.de/new-work-charta/.

 

Unter diesem Link findet sich zudem eine sehr gelungene Definition:

  • New Work versucht, auf die Fragen nach künftigen Führungsmodellen und Organisationsstrukturen, nach Prozess- und Produktdynamik, nach neuen Wertvorstellungen und komplexen wirtschaftlichen Zusammenhängen sinnvolle Antworten zu liefern – ökonomisch und menschlich.
  • New Work verbindet ein positives Menschenbild mit moderner psychologischer Forschung und innovativen Methoden zu Führung, Zusammenarbeit, Architektur und Organisation. Damit liefert es einen wertvollen Baustein für das Management von morgen.

In der konkreten Umsetzung zeigt sich New Work für jedes Unternehmen in anderer Form, denn New Work ist kein Prozess oder Programm, sondern eine Frage der Kultur im Unternehmen.  Mit der richtigen inneren Haltung gegenüber der Arbeit und den Menschen, die sie verrichten, bietet New Work den Unternehmen eine positive Antwort auf die notwendigen Veränderungen in der Arbeitswelt. Und und allen eine Chance für eine menschlichere und nachhaltigere Gesellschaft.